Bahram Hajou

about

Ut poesis pictura

 

Bahrams Kunst lädt dazu ein, die berühmte Bestimmung großer Dichtung, dass sie wie ein sprechendes Bild sei, umzuwandeln. Bahram malt sprechende Bilder. Überschaut man die letzten zehn Jahre seines Schaffens, so ist unübersehbar, dass er von einer Vision besessen ist. Das Thema seiner Kunst ist der Mensch in seiner Einsamkeit. Und diese Vision, die zwar, wie er uns zeigt, Bild werden kann, die aber über Sprache hinausführt, übersetzt Bahram in die Sprache der Symbole.

Es beeindruckt die Kontinuität der Motive: das Gesicht, der Körper des Menschen, der leere Raum, die unzugänglichen Türme, verfallene Behausung, Landschaft als Naturgewalt oder Chimäre. Ende der achtziger Jahre war das alles schon präsent, aber gleichsam noch domestiziert durch ein starkes mimetisches Moment. Die Dörfer waren als ”Dörfer” noch Hausgruppen, es gab Horizonte. Seither jedoch, besonders nach den vorherrschend informellen Jahren 1991 bis 1993, vollzog sich eine ungeheure Konzentration des Ausdrucks.

Fast möchte man von einer Verfolgung durch Gesichter sprechen, von Augen, die von unten nach oben blicken, von Masken, quadratisch, massig, drohend. Blicke, die nie ankommen, und Hände, die mit weit gespreizten langen Fingern zum Unbegreiflichen werden. Wir finden in dieser Bildwelt nicht die Bacon’sche Brutalität zerfetzter Körper; im Gegenteil, ein ständiges ironisches Zitat von Zivilisation begleitet uns: die Figuren mit Kragen und Krawatte.

Und doch ist es eine unheimliche Welt, in die die Köpfe und Körper gestellt sind. Nicht selten kontrastiert dem einen Gesicht mit stechendem Blick ein Gesichtsloser. Zwischen den Paaren steht die Unerreichbarkeit. Ein blaues Gesicht ist ins Monumentale gesteigert. Zwei Gefesselte bieten sich die Stirn als ”Duumvirat” einer Herrschaftsallegorie.

Es ist etwas Unabänderliches in seinen Bildern, als wäre das Menschenbild ein Urteil. Aber neben der Eindringlichkeit wirkt auch die Freiheit. Sie ist präsent als Raum und Farbe. Das Menschenbild wird zum Mahnmal seiner Zerstörbarkeit.

Licht und Dunkelheit, Wasser, Erde, Sturm sind noch vor den Gestalten da. Es ist, als wüchsen sie aus einem Urchaos hervor, als seien sie der Gewalt der Elemente abgetrotzt. Bahram ist der Schöpfer einer dramatischen Bildwelt.

Prof. Dr. Christoph Miething

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