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Anmerkungen zur Kunst von Andreas Hamacher

 

Es ist schon lange eine immer wieder gern zitierte Wahrheit, dass Kunst und Arbeit mehr miteinander zu tun haben, als der Betrachter und Rezipient sich denken mag. Gerade wenn ein Künstler mit physisch schweren Materialien umgeht wird deutlich, dass ohne physische Kraft und Energie eine Gestaltung des Ausgangsmaterials nicht möglich ist. Stahl ist ein besonders faszinierendes Material. Es zeichnet sich durch eine große Festigkeit und Zähigkeit aus – doch als Rohmaterial kann es unter Hitze gegossen, geschmiedet und in nahezu jede Form gebracht werden. Daher ist es in der Industrie oder beim Bauen vielseitig einsetzbar als massenhaft gefertigte Röhren, Platten und Gitter oder in Einzelanfertigungen zum Beispiel für spezielle Maschinen.

 

Die physische und auch physikalische Arbeit, die der Bildhauer Andreas Hamacher leistet, ist beachtlich. Wie viel Kraft bedarf es, um Stahl bis zu 30 mm Stärke in die erdachte und gewünschte Form zu bringen? Wie viel Arbeit, um Stahl zu pressen, zu schneiden, auseinander zu ziehen, zu schleifen, zu erhitzen, zu bewegen! Auf diese Weise wird physikalisch messbare Energie z. B. durch Kompression, auf das Material übertragen. Die Eigenschaft des Formbaren und der kraftvolle Ausdruck des energetisch aufgeladenen Materials, begeistert Künstler des 20. und 21. Jahrhunderts immer wieder aufs Neue. Die sich verändernde, innere Energie lässt sich gemäß den Gesetzen der Thermodynamik  sogar in eine Formel bringen, doch werden in den Werken von Andreas Hamacher diese kraftvollen Eigenschaften des Materials und des Herstellungsprozesses auch ohne sie sichtbar und vor allem spürbar. Der Künstler verwendet gern Stahl als Ausgangs-material, das ehemals für funktionale, meist industrielle Zusammenhänge gefertigt wurde. Diese vorgeformten Objekte findet er auf den Schrottplätzen von Trier und Luxemburg. Da dort jedes Teil nicht wegen seiner ursprünglichen Anwendung, sondern nur noch wegen seines Materialwerts lagert – um bald wieder eingeschmolzen und zu etwas anderem zu werden – verliert es seine

 

 

Notes to the artists work of Andreas Hamacher

 

It is a well-known and much quoted truism that art and labour have more to do with each other than the casual observer may first think. Particularly when an artist works with heavy-duty materials it becomes apparent they could not have been shaped without physical strength and vigour. Steel is an especially fascinating material. It is characterized by tremendous solidity and tough- ness, yet paradoxically in its molten state can be forged into almost any form conceivable. This versatility makes it popular in industry and the construction trade where it is used for mass produced tubes, sheets and grids or custom-built special machinery.

 

It is a well-known and much quoted truism that art and labour have more to do with each other than the casual observer may first think. Particularly when an artist works with heavy-duty materials it becomes apparent they could not have been shaped without physical strength and vigour. Steel is an especially fascinating material. It is characterized by tremendous solidity and tough- ness, yet paradoxically in its molten state can be forged into almost any form conceivable. This versatility makes it popular in industry and the construction trade where it is used for mass produced tubes, sheets and grids or custom-built special machinery.

 

The artist‘s material of choice is steel which was once manufactured for use in a functional, usually industrial, environment. He finds these pre-formed objects in the scrapyards of Trier and Luxembourg. Since every item stored there only still exists by dint of its purely material value, its primary purpose long forgotten. Soon it will be melted down again and become something new. Beyond any functional context, these items are the ideal starting point for the materialisation of his artistic visions.

 

HAPTIKONS

 

Die Arbeit an meiner lyrisch abstrakten Werkreihe „Haptikons“ und "Sprünge" beginnt auf dem Schrottplatz mit seinen vielfältigen technischen Möglichkeiten. Der häufig mit Geschichte aufgeladene Rohstoff Stahl ist gebraucht aber nicht verbraucht. Auf der Suche nach Formen, Texturen und Flächen entstehen Arbeiten, die den Betrachter animieren anzufassen und zu begreifen. Dabei ist mir das Spannungsfeld zwischen dem schroff Abweisenden und dem scheinbar weich Einladenden des Materials wichtig. 

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